Montag, 14. Januar 2019

Tun oder nichts tun – wie kommen wir zur Erleuchtung? Die Antwort: 12!



Da isses wieder, das E-Wort. Erleuchtung. Der Zustand, dem die Spirituellen zustreben wie die Motten dem Licht. Der Zustand, von dem die Zen-Buddhisten sagen, daß er stinknormal ist und sich vom vorherhigen, unerleuchteten Zustand nur darin unterscheidet, daß man weiß, daß die Erleuchtung nix Besonderes ist.
Dieses Ding also.
Gleichzeitig, immer wenn es um Erleuchtung, Befreiung, Moksha, Erlösung geht, gibt es Wegpläne: Wie kommen wir am schnellsten dorthin? Was ist der beste Weg zur Erleuchtung, mit möglichst wenig Mautgebühren?
Und dann geht’s los:
  • Die Zennies sagen, es ist einfach, wie es ist. Laß einfach los!
  • Die Daoisten, weil sie die engen Verwandten der Zennies sind, sagen das gleiche.
  • Die Nondualisten weisen uns an, nö nö, du machst erstmal gar nichts, weil’s dich nämlich gar nicht gibt!
  • Die Christen und Muslime schütteln den Kopf und sagen, WOT?, jetzt mal flugs beten und hoffen, daß der Herr deiner Seele gnädig ist.
  • Die Thelemiten widersprechen und sagen, RÖÖÖÖHR, du bist deine Macht, und es gibt verdammt nochmal nur vier Gebote, und das sind “Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern”, “Tue was Du willst sei das ganze Gesetz”, “Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen” und “Der Tod, o Mensch, ist dir verboten”! So!
  • Die Buddhisten wiegen leise den Kopf und empfehlen Meditation.
Jetzt wird’s wieder Zeit für meine berühmte Frage, nämlich: “Merken Sie was?”
Also: Merken Sie was?
Wenn’s um den (Nicht)Seelenfrieden geht, weiß jede Religion, was zu tun ist. Und ulkigerweise scheinen die Anweisungen dorthin in jeder Religion EXKLUSIV zu sein, niemals komplementär. Sonst herrscht vielerorten Toleranz, aber wenn’s um die letztendliche Ruhe geht, ist es vorbei damit, dann weiß jede Religion, daß ihre Landkarte die beste ist.
Das Problem ist nur, daß das natürlich völlig falsch ist.
Ich finde es immer erfrischend, wenn ich mich mit Praktizierenden verschiedener Religionen unterhalte und sie mir ihre Anleitung zur Glückseligkeit geben. Meine Frage lautet dann immer: “Kann ich das denn auch mit anderen Praktiken verbinden?” Die Gesichter sind meist überrascht, gefolgt von einer gewissen Unsicherheit.
Geht das? Dürfen Zen-Buddhisten/Daoisten/Nichtdualisten/Christen/Muslime/XYZ auch andere Dinge tun?
Führt die Anhaftung an bestimmte Dinge wirklich immer unweigerlich zu neuem Leiden/Unrundsein?
Aber warum gibt es dann Menschen, die kurz vor dem Tod stehen und an materiellen Dingen anhaften und trotzdem gelöst und glücklich sind? Warum gibt es dann glückliche Naturvölker, denen das Prinzip der Nichtanhaftung völlig unbekannt und schnurzpiepegal ist? Warum gibt es auch in buddhistisch geprägten Ländern viel seelisches Leid?
Resultiert jedes nicht erhörte Gebet automatisch in Leid und Niedergeschlagenheit?
Warum kenne ich dann in meiner Religion so viele zufriedene Menschen, die aber täglich beten, egal, ob es sich erfüllt oder nicht? Und gleichzeitig: Warum gibt es auch in meiner Religion so viele unglückliche Menschen?
Ist das Nehmen der Dinge, so wie sie sind, wirklich der einzige Weg zur inneren Freiheit?
Warum gibt es dann so viele Nichtdualisten, Nonduality-Praktizierende, Esoteriker und New Waver, die so kreuzunglücklich und angekotzt wirken, daß ich lieber freiwillig auf Abstand gehe?
Sehen Sie, wenn ich diese Fragen jetzt beantworten würde, begäbe ich mich in diesselbe Falle, die hinter jeder Anleitung zur Erleuchtung steht: dualistisches Denken.
Im Westen sind wir es nun mal so gewohnt, in strengen Kategorien zu denken: entweder, oder. So oder anders. Dies oder das. 1 oder 2.
Aber in Wirklichkeit fließt das Leben, unsere Vorlieben und Stärken gehen mal in die eine, dann in die andere Richtung. Was heute wirkt, ist morgen unbrauchbar. Nichts im spirituellen Leben ist Entweder-Oder. Sondern: Alles ist Und.
Unser “Seelen”heil erreichen wir nicht, weil wir ausschließlich nichtdualistisch denken, ausschließlich beten oder ausschließlich liebevoll meditieren. Sondern wir erreichen es, wenn wir auf unsere innere Stimme, auf unsere Intuition hören. 
Wir erreichen dieses Heil, indem wir nicht 1 oder 2 machen, sondern 12.

Das einfachste Leben und wie man's macht

Viele Leser fragen mich, wie sie meine Hinweise praktisch im täglichen Leben umsetzen können. Wie funktioniert das alles, oder ist es doch wieder nur Theorie? Die Antwort lautet: Theorie ist das, was ich schreibe und beschreibe, sicherlich nicht. Und es ist einfach umzusetzen. Und zwar so:

  1. Vertrauen Sie darauf, daß Sie augenblicklich und immer das tun, was zu tun ist.
  2. Verzichten Sie auf alle langfristigen Pläne für Ihr Leben, im Bewußtsein und aus der eigenen Erfahrung heraus, daß es meistens ganz anders kommt, als Sie es erwartet und geplant haben.
  3. Verzichten Sie darauf, mit irgendwelchen Techniken verändernd auf Ihre Zukunft einzuwirken. Die Zukunft gibt es nicht. Alles, was existiert, existiert nur jetzt und könnte schon morgen (oder in der nächsten Sekunde) nicht mehr da sein.
  4. Verzichten Sie darauf, immer neue Methoden zu erlernen, mit deren Hilfe Sie versuchen, das zu “materialisieren” und sich “herbeizuwünschen”, was Sie wollen. Wenn Sie Ihre Zufriedenheit an Bedingungen knüpfen (“wenn ich eine Million Euro hätte, wäre ich glücklich”, “wenn ich einen besser bezahlten Job hätte, wäre ich zufrieden”), können Sie automatisch nur dann zufrieden sein, wenn diese Bedingung erfüllt ist. In dem Moment, wo sie nicht (mehr) erfüllt ist, sind Sie automatisch wieder unzufrieden.
  5. Wenn Sie nicht wissen, was zu tun ist, gönnen Sie sich ein paar Minuten Ruhe und betrachten Sie die Situation, ohne sie zu kommentieren oder zu beurteilen. Betrachten Sie einfach die Situation und tun Sie nichts sonst.
  6. Nach gewisser Zeit werden Sie einen Impuls spüren, ein Verlangen, zu handeln. Dieser Handlungsimpuls ist Ausdruck des reinen, unverfälschten Flusses der Dinge.
  7. Handeln Sie.
Lassen Sie sich auf dieses Experiment ein. Sie werden erstaunt sein, wie schön Ihr Leben sein kann.

The Big Lebowski – praktischer Daoismus

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Sie sehen oben ein Szenenbild von “The Big Lebowski“. Der in den späten 1990ern gedrehte Film ist meiner Meinung nach einer der besten Filme aller Zeiten — und das nicht nur, weil er eine richtig gute Komödie ist, sondern viel, viel mehr: The Big Lebwoski ist ein Film über gelebten, praktischen Daoismus.
Jeff Bridges (übrigens selbst Zen-Praktizierender) als “The Dude” verpackt so viele Hinweise und Tips für ein leichtes Leben in diesem Kunstwerk, daß es viel zu lange dauern würde, sie alle aufzuzählen — das haben zum Glück schon andere gemacht. Einige der wichtigsten Erkenntnisse möchte ich in (wie immer) loser Reihenfolge hier vorstellen.
Heute:
“I can’t be worried about that shit. Life goes on, man.”

lose übersetzt heißt das so viel wie

“Ich kann mir über diesen Scheiß keine Gedanken machen. Das Leben geht weiter, Mann.”

Diese Aussage faßt all die Kompliziertheiten des Dao De Ching zusammen. Uralte Weisheit, komprimiert auf einen einzigen zeitgenössischen Satz. Das Leben geht weiter, Mann. Was passiert ist, ist passiert, und alle unsere Gedanken und Was-wäre-wenn-Spiele machen es nicht wieder ungeschehen. Das Leben geht weiter. Wir steigen nie zweimal in denselben Fluß, sagten die alten Griechen, weil es nämlich immer ganz neues Wasser ist, wenn wir reinsteigen.
Das Leben ist genauso. Dinge passieren, verändern sich, entstehen, vergehen. Altes geht, Neues kommt. Und alles andere, alle Erklärungen warum und weshalb und wieso und und und… sind einfach nur Worte, die unseren Kopf unnötig vollmachen. Machen Sie sich über diesen Scheiß keine Gedanken. Ihr Leben geht weiter.

Dudeismus – vielleicht ernst gemeint, aber nicht so ernst zu nehmen

Eine Ziege. Gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen.
Ich berichte in diesem Blog hin und wieder über The Big Lebowski und die daraus entstandene, halb-ernst gemeinte Religionsgemeinschaft der Dudeisten. Und bei manchem Leser entsteht offensichtlich der Eindruck, daß Dudeismus, der sich manchmal selbst als “Daoismus 2.0” bezeichnet, in der Tat ein eigenständiges Ding ist.
Natürlich könnte nichts falscher sein.
Dudeismus als (halb-) ernsthafte Religion ist ein Widerspruch in sich.
Ich erkläre kurz, warum:
1) Eines der obersten Prinzipien im Dudeismus ist Nichtstun. Das leitet Oliver Benjamin, einer der Gründer, vom daoistischen “wu wei” ab. Allerdings versteht Benjamin dieses grundlegende Prinzip des Daoismus verkehrt. Ob absichtlich oder nicht, kann ich nicht sagen, aber in jedem Falle ist es verdreht. Was “wu wei” im Original bedeutet, ist “Tun durch Nichtstun”, aber nicht im Sinne der Faulheit, so wie es im Dudeismus ausgelegt wird, sondern im Sinne des Sich-Fügens-im-Strom. “Lass dich vom Tao leben” lautet eines der bekanntesten deutschen Bücher zum Thema, und dieser Titel erfaßt die Essenz ganz hervorragend. Wenn es Zeit zu handeln ist, handeln wir im Daoismus, und wenn es Zeit zum Faulenzen ist, dann faulenzen wir. Das ist eine völlig andere Dimension. Faulheit zur Maxime zu erheben, ist definitiv nicht Teil des Daoismus.
2) Und jener Oliver Benjamin schreibt viel von Entspanntheit, vom Sichtreibenlassen, von Vermeidung von Anstrengung. Die Art und Weise, wie er aber auftritt und die Texte des Dudeismus schreibt, scheint… bemüht. Nicht nur, daß er sich “Dudely Lama” nennt und den Bademantel gekauft hat, den Jeff Bridges’ Charakter Lebowski im Film trug, sondern in einem seiner Bücher (“The Abide Guide”) gibt er auch Tips für andere, typische dudeistische Praktiken: Meditation (aber nur so, wie sie im Film zu sehen ist, und zu allem Überfluß nennt er sie auch noch “Dudeitation”), Energiearbeit und Feng Shui. Und das alles in einer Religion, der Faulenzen eigentlich über alles geht.
Das widerspricht sich. An und für sich wäre das nicht schlimm, die meisten Religionen widersprechen sich, aber es wird dann schwierig, wenn es bei Benjamin beispielsweise heißt, daß der Dude eine Form des Jynana Yoga betreibt, also des Yogas der genauen Betrachtung, das zwischen Wirklichem (Ewigkeit, Gott) und Unwirklichem (zeitlich Begrenztes, alle Erscheinungen und Lebewesen) unterscheidet. Im Film denkt der Dude nicht über derlei Themen nach, sondern er läßt sich treiben. Was überhaupt nicht schlecht ist, im Gegenteil, aber es hat nichts mit Jynana Yoga zu tun. Hier wird der Film zu etwas gemacht, was er nicht ist. Und hier werden dem Antihelden des Films Eigenschaften angedichtet, die er nicht hat.
Derlei Überhöhungen gibt es viele im Dudeismus. Beispielsweise behauptet Benjamin, der Dude betreibe “Neti-Neti”, weil ihm viele Dinge einfach wurscht sind. Während die schöne bairische Charaktereigenschaft des Is mir doch wurscht in der Tat bemerkenswert zur inneren Ruhe beitragen kann, hat sie trotzdem nichts mit Neti-Neti zu tun. Diese hinduistische Praxis ist sehr alt und nicht eben unkompliziert: Der Praktizierende untersucht sich selbst in Meditation (seinen Körper, seine Gedanken, seine Gefühle) so lange, bis er feststellt, daß nichts davon wirklich real, im Sinne von: dauerhaft existent, ist. Neti-Neti erfordert höchste Aufmerksamkeit und ist definitiv eine der wirklich schwierigen Praktiken. Sie ist das Gegenteil von Entspannung, Zurückgelehntheit und “fuck that, let’s go bowling”.
3) All diese Bemühtheit, dieses Bestreben, jede Szene des Films so zu interpretieren, daß sie in das dudeistische Gemisch aus Daoismus, Epikurismus, Buddhismus und moderner Ethik paßt, zeigt auf lange Sicht hin seine Schwächen. Ich fühle mich unmittelbar an andere Zeitgenossen erinnert, die nicht The Big Lebowski, sondern die Bibel als Urtext verwenden und aus deren Passagen munter allerlei herauslesen, was da so eben nicht drinsteht. Und das wiederum ist anstrengend — und damit ein direkter Widerspruch zu den Lehren, auf die der Dudeismus aufbauen (oder die er, im Falle des Daoismus, sogar ablösen) möchte.
4) Was als Fazit bleibt, sind einige Erkenntnisse: Dudeismus kann ein guter Anstoß sein, sich näher mit Daoismus oder Zen zu beschäftigen. Als eigenständige Religion greift er zu kurz, und auch als Lebensphilosophie klappt er nicht. Was durchaus helfen kann, ist die Beschäftigung mit dem Urtext, also The Big Lebowski. Sowohl Daoismus als auch der mit ihm verwandte Zen betonen immer wieder, daß Aktivität und Nichtstun zum Leben gehören. Die gewissermaße zwanghafte Fixierung auf Slackertum kann (muß nicht) uns vielleicht mehr weh tun, als wir uns vorstellen. 
Wenn wir tun, was zu tun ist, und nicht tun, was nicht zu tun ist, betreiben wir von ganz alleine Daoismus. Ohne bemüht zu sein.

Gesellschaftliche Rollen: Spielen Sie sie – aber nehmen Sie sie nicht so ernst


Obige Szene stammt aus meinem Lieblingsfilm “The Big Lebowski”. Dem Dude (der begnadete Jeff Bridges, der übrigens selbst Zen betreibt und zusammen mit seinem Zenmeister ein Buch über Lebowski geschrieben hat, in dem er herausstellt, daß der Held des Films eben selbst ein Zenmeister ist) wurden zuvor Drogen in seinen Liebslingsdrink gemischt, jetzt ist er auf der Flucht. Und wird direkt vor Beginn dieser Szene von der Polizei aufgegriffen.

Der Sheriff durchsucht die Geldbörse useres Dudes und findet eine Karte, die er für den Ausweis (ID) hält. Mit Genugtuung zieht er sie raus — aber es ist lediglich eine Mitgliedskarte für Ralphs, einer großen kalifornischen Supermarktkette. Und daraufhin stellt er dem Dude die Frage:

“Ist das Ihr einziger Ausweis?”

Worauf der Dude antwortet:

“Ich kenne meine Rechte, Mann.”

Oberflächlich betrachtet ist das ein lustiges Geplänkel in einem lustigen Film. Wenn wir tiefergehen, sehen wir, daß The Big Lebowski eine Parabel, ja gar der Urtext eines modernen Daoismus ist, und daß jede Szene in diesem Sinne aussagekräftig ist:

Der Ausweis ist das Symbol für Kontrolle des Staates über Menschen. Gutmenschen werden jetzt einwenden, daß der Ausweis aber auch hilft, Hilfszahlungen vom gutmütigen Staat zu erhalten. Dazu nur zwei kurze Anmerkungen (weil mir dieses Thema wirklich auf den Keks geht mittlerweile): “Der Staat” funktioniert mit dem Geld, das er uns in Form von Steuern nimmt. Streng genommen ist das also unser Geld, nicht das “des Staates”. Und: Man braucht keinen Staat in der Form, wie wir ihn haben, um sich um hilfsbedürftige Mitmenschen zu kümmern. Die Welt funktionierte auf vor Einführung “des Staates” (und ich bin verleitet zu sagen: besser sogar).

Also, der Ausweis, das Symbol der Kontrolle. Eine Nummer, jederzeit abrufbar, zurückverfolgbar. Kontrolle eben.

Der Dude aber hat so etwas nicht. Er hat lediglich einen Mitgliedsausweis für einen Supermarkt. Auf seine ganz eigene Weise ist er unkontrollierbar, weil er sich um seine eigenen Bedürfnisse kümmert (das, was er zum Leben braucht).

Er identifiziert sich auch nicht unbedingt mit der Rolle, dem Namen, den er bekommen hat. Er ist nicht Jeffrey Lebowski, Personalnummer 5455658585, wohnhaft in XYZ. Er ist der Dude, und er kümmert sich um sein Zeug, Mann.

“Ich kenne meine Rechte, Mann”, sagt er zum Sheriff, und auch das ist sehr vielschichtig. Unterhalb der Obefläche betrachtet, kennt er sein Recht, er selbst zu sein, und nicht (nur) die Rolle, die ihm die Gesellschaft, vor allem aber die Obrigkeit, zugedacht hat. Er kennt sein Recht, “fuck it” zu sagen, scheiß drauf, und das zu tun, was ihm Gelassenheit und Nachsicht bringt (zumindest die meiste Zeit). Und das ist eben weder das ständige Streben nach viel Geld, noch Produktivität um ihrer selbst willen.

Der Dude kennt sein Recht, er selbst zu sein. Sich nicht dreinreden zu lassen. Einen feuchten Scheiß drum zu geben, was andere als Standards setzen.

Das ist die Freiheit, die wir alle haben. Wir müssen uns nur dran erinnern.

Einen schönen Wochenanfang!
Norbert Matausch

Buddha-Weisheit, übersetzt in heutige Sprache

Über Stillstand

Schlaue Menschen haben herausgefunden, daß sich unsere Zellen alle sieben Jahre komplett erneuern. Nach Frühling kommt der Sommer, danach der Herbst, und dann der Winter. Manchmal schlafen wir super, manchmal schlecht. Manchmal sind wir fröhlich und sehen die Welt in bunten Farben, und manchmal sind wir grummelig und sehen alles schwarz. Und zuerst sind wir Säuglinge, dann werden wir Jugendliche, dann Erwachsene, und irgendwann sterben wir. Unser Gesicht im Spiegel zeigt jeden Tag einen älteren Menschen. Alles verändert sich irgendwie, und das hört nie auf. Häuser werden ganz langsam wackeliger und stürzen irgendwann ein. Sogar Berge tun das, nur noch viel langsamer!

Puh der nichtphilisophische Bär fragt: Wenn sich die ganze Welt immer verändert und nie irgendwas stillsteht — warum wollen wir dann, daß unser Leben zuerst so wird, wie wir uns das vorstellen, und daß es sich dann nie wieder verändert?

Mittwoch, 5. September 2018

Und immer noch der Dude

















Am 20. August erklärte ich den September zum Monat des Dudeismus, beginnend mit dem 20. August. Warum im August? Zeit und genaue Daten und all das... that's just, like, your opinion, man. Spontan loslassen, nicht geplant, sonst ist das ja alles schon wieder eine einzige Hetzerei.

Deshalb: Immer noch ist September, und immer noch ist es der Monat des Dudeismus. Eine der wichtigsten Lehren im Dudeismus (in dem ich übrigens zusätzlich zu meinem anderen Geistlichen-Titel seit vier Jahren ebenfalls Geistlicher -- "Reverend" -- bin und in den USA rechtlich gültige Ehen schließen darf) ist der Schlüsselsatz, den der Dude am Ende des Films zum Fremden in der Bowlingalley macht: "The Dude abides" -- "der Dude nimmt es hin".

Der Dude nimmt es hin.

Völlig zu recht wird Dudeismus auch als Daoismus 2.0 beschrieben, die moderne, vom Überflüssigen befreite, abgespeckte Variante. Der Dude geht mit den Dingen, fließt mit dem Strom, nimmt es hin.

Nimmt es hin.



Und wie immer, wenn ich mich wirklich darauf einlasse: Es wirkt fantastisch.

Freitag, 24. August 2018















“Autsch!”, sagte Pu, als er auf dem Boden landete.
“Das passiert, wenn man sich an der Kante eines Schreibtisches Schlafen legt”, sagte ich, “man fällt runter.”
“Ist schon gut so”, sagte Pu.
“Warum?”, fragte ich.
“Ich hatte einen schlimmen Traum”, sagte er.
“Oh?”
“Ja. Ich hatte einen Topf mit Honig gefunden”, sagte er und rieb sich die Augen.
“Was soll daran schlimm sein?”, fragte ich.
“Er hat sich dauernd bewegt”, sagte Pu, “normalerweise bewegen sie sich nicht. Normalerweise stehen sie still.”
“Ja, ich weiß.” 
“Aber immer, wenn ich danach griff, bewegte sich dieser Honigtopf woanders hin.”
“Ein Alptraum”, sagte ich. “Viele Menschen haben solche Träume”, fügte ich beruhigend hinzu.
“Oh”, sagte Pu, “Träume von unerreichbaren Honigtöpfen?”
“Träume in der selben Art”, sagte ich, “das ist nicht selten. Das Seltsame ist aber, daß manche Menschen auch so leben.”
 “Warum?”, fragte Pu.
“Keine Ahnung”, sagte ich, “ich vermute, weil es ihnen etwas gibt, womit sie sich beschäftigen können.”
“Hört sich für mich nach wenig Spaß an”, sagte Pu.

(“Tao Te Pu”, von Benjamin Hoffmann, meine Übersetzung)

Mittwoch, 22. August 2018

Medizin für das schwächliche Kind















Karma:
Zügel für das kindliche Ego, das “Böses” tun möchte.

Reinkarnation:
Sicherheitsnetz für das kindliche Ego, das das Ende der falschen Identität befürchtet.

Personifizierte Götter:
Ob nun Gott, Unendliche Energie oder irgendein anderer Name, der dem Unbeschreiblichen gegeben wird und den man anschließend um Hilfe bittet, dient als Elternersatz oder Wächter über das schwächliche Ego.

Guru:
die Person, die einen von der Dunkelheit ins Licht führen soll, also auch Priester, Rabbis oder andere spirituelle Führer, ist nichts anderes als das Ego, das zugibt, klein zu sein, aber später mal groß werden will.

Mantra:
Alles von “Om” über “Om mani padme hum”, “Herr Jesus Christus, sei mir gnädig” oder positives Denken ist der Versuch des Egos, sich an etwas Falsch-Positivem festzuklammern.

Satsang:
Das Beisammensein mit weisen Menschen ist nur das schwache Ego, das nach jemandem Ausschau hält, den es für besser hält, und der ihm sachte den Kopf tätscheln soll, mit den Worten: “Alles gut, du bist in Ordnung”.

Meditation:
Das Ego, das in einen Zustand eintritt, den es ständig aufrecht erhalten mag, egal bei welchen Tätigkeiten. Das Ego weigert sich, Veränderung und den Fluß der Dinge anzunehmen, weil es so zerbrechlich ist. Und sucht deswegen nach einem Ort, an dem keine Bewegung stattfindet.

Religion:
Das kindliche Ego, das sich wünscht, sich mit dem wiederzuvereinen, von dem es nie getrennt war. 

Yoga:
Das kindliche Ego, das sich wünscht, das unter ein Joch zu zwingen oder sich mit dem zu vereinen, von dem es nie getrennt war.

 (Danke an meinen Kollegen Son Beam)

Dienstag, 21. August 2018

Ungeeignete Werkzeuge















Mit einem Felsbrocken einen anderen Felsbrocken aus dem Berg schlagen, um zu sehen, woraus er gemacht ist.


Mit dem eigenen Geist den eigenen Geist analysieren.

Oder kurz: sich um sich selbst drehen.

Das Ratsamste ist wohl, damit einfach aufzuhören.

Montag, 20. August 2018

Wenn das Loslassen zur Arbeit wird, halt ich lieber fest (September ist Dudeismus-Monat)



Vor einigen Tagen schrieb ich über die zwei Methoden, die mir in den dunkelsten Tagen meines Lebens wirklich geholfen haben: Dudeismus (= Daoismus 2.0) und  Magie.

Heute will ich noch einen Schritt weiter gehen und eine Ankündigung machen: Den Rest des August und der gesamte September erkläre ich zum Dudeismus-Monat. Ja, das ist mehr als ein Monat. Aber mach dich mal locker. Genau darum geht's ja.

Natürlich könnte ich, wenn ich denn wollte, alles richtig schön kompliziert machen. Also beispielsweise sagen, daß alles, was wir wahrnehmen, nur in uns entsteht und dementsprechend Denkanstoß für eine andere, sprich: nichtduale, Weltsicht sein sollte.

Derr gute Nisargadatta Maharaj soll ja mal folgendes gesagt haben: „Alles existiert einzig und allein im Bewusstsein“. Woraufhin ein Besucher fragte: „In meinem oder in Ihrem Bewusstsein?“. Nisargadatta antwortete mit „Das ist irrelevant, denn die Unterscheidung zwischen meinem und deinem Bewusstsein erscheint auch nur im Bewusstsein“

Hach! Klingt das nicht wunderbar erleuchtet? Und doch, wenn wir die Sache mal näher betrachten, ist es alles nur eine Anhäufung von Wörtern. "Alles existiert einzig und allein im Bewußtsein" ist so schwammig, daß es alles und nichts bedeuten kann. Es ist ein Konzept, eine Theorie, für die es eine einzige Methode zur Verifizierung oder Falsifizierung gibt: die eigene Erfahrung. Und die kann eben bei jedem von uns völlig anders aussehen. Meine Erfahrungen mit Animismus beispielsweise deuten auf das komplette Gegenteil hin. Was stimmt jetzt? Für MICH stimmt, was ich erfahre. Für Nisargadatta stimmte offensichtlich, was er erfahren hatte, und das war mit Sicherheit kein animistisches Erlebnis.

"Du mußt nur das Loslassen üben", entgegnen dann die Nonduality-Experten einstimmig. Und doch fallen sie alle, ALLE, ohne Ausnahme wieder in dualistische Weltsichten zurück, wenn sie nicht aufpassen. Also ist konstante, fortwährende Arbeit an der eigenen Wahrnehmung gefordert.

Boah. Ist das anstrengend.

Mir erscheint es klüger, mit dem zu arbeiten, was uns mitgegeben wurde — und da gehört für mich persönlich auch dazu, zwischen “dir” und “mir” zu unterscheiden. Diese Trennung, so behaupten viele Nondualisten, ist es, was uns Menschen unglücklich macht. Das allerdings ist überhaupt nicht meine persönliche Erfahrung. Es gibt genügend Menschen, die Zeit ihres Lebens zwischen „ich“ und „du“ unterschieden haben, die aber sehr zufrieden/glücklich sind.

Bhagwan sagte mal: “Wer glücklich ist, braucht keine Meditation”. Mit Meditation meinte er alle Methoden, irgendetwas in einem selbst irgendwie zu verändern. Was ist uns lieber? Irgendeine „Wahrheit“ („alles ist eins“, „es gibt Gott, und es gibt den Rest“, usw) zu wissen, oder glücklich zu sein? Natürlich kann ich glücklich sein, weil ich eine “Wahrheit” erkannt habe. Ich kann aber auch glücklich sein, ohne eine “Wahrheit” zu kennen.

Deshalb: Der Dude weiß bescheid. Ich kann mir wegen diesem Mist einfach keine Sorgen machen. Zurücklehnen und zusehen, und du weißt, wann du wie handeln mußt. Beziehungsweise: Du weißt es nicht, du machst es einfach intuitiv.

Mittwoch, 8. August 2018

Spiritualität: Was wirklich was taugt



Wißt ihr, ich bin seit etwas mehr als 30 Jahren in der spirituellen "Szene" involviert; sowohl als Schüler als auch als Lehrer. Ich war in vielen verschiedenen Schulen aktiv, Nordisches/Germanisches Heidentum, philosophischer Daoismus, Zen, Westlicher Zen und Magick (das echte Ding mit einem 'ck'), Hinduismus, Volkschristentum, Dudeismus, Buddhismus (Dharma Punx FTW!) und Stoizismus.

Wenn die Sonne scheint, funktioniert jedes System perfekt. Keine Probleme, kein Nageltest, sozusagen. Alles sieht gut aus, wenn es nicht regnet.

Aber in den dunkelsten, dunkelsten Zeiten meines Lebens, in Leben-oder-Tod-Situationen, was mir da geholfen hat, waren genau zwei Dinge: Magie und Dudeismus / Daoismus.

Magie - weil sie mir hilft, Wahrscheinlichkeiten zu verschieben, die Chancen zu vergrößern, die Waage zu meinen Gunsten anzustoßen. Und Magie, weil sie mir hilft, ganz nahe an Götter und andere körperlose Wesen zu kommen. Was sehr hilfreich ist, um es gelinde auszudrücken.

Dudeismus - weil er mir Bodenhaftung gibt, mich sagen läßt: "Weißt du was, Schicksal / Gott / Götter? Fickt euch, euch alle. Ich bleibe hier, und ich werde tun, was mir hilft, daß es wieder besser wird. "Ich kann mir über diesen Scheiß keine Sorgen machen. Das Leben geht weiter, Mann."

Warum schreibe ich das?

Weil unsere Zwillingsmädchen (2 Jahre) heute seit 7 Stunden schreien, weinen, beißen und kratzen. Seit. Sieben. Verfickten. Stunden. Das passiert sehr oft. Und nichts, keine Strategie, kein psychologischer Trick, kein verdammtes Nichts, hilft. Außer Magie, um mich zu erden und zu sehen, dass es sinnlos und herzlos ist, zu überreagieren, und Dudeismus, weil ich akzeptieren muss, daß das Trotzalter tatsächlich eine schreckliche Phase im Leben unserer Kinder ist.

Danke fürs Zuhören.

Dienstag, 7. August 2018

Werner Heisenberg über Naturwissenschaften

"Der erste Schluck vom Glas der Naturwissenschaften wird dich zum Atheisten machen, aber am Boden des Glases wartet Gott auf dich" -- Werner Heisenberg, Vater der Quantenhysik.



Dienstag, 31. Juli 2018

Die OODA-Schleife und praktische Zauberei



In dieser Überschrift stecken gleich zwei Wörter, die entsprechend geneigte Leser „triggern“ könnten: „OODA“ ist ein strategisches Prinzip aus dem amerikanischen Militär, und „Zauberei“ hört sich für viele doof, kitschig und natürlich völlig unrealistisch an: Harry Potter, ne, is klar.

Ich steige zuerst beim zweiten Punkt ein. Zauberei, am simpelsten definiert als Vorgehensweisen, um Erfolgschancen zu steigern, am abgehobensten vom Erzgroßmeister Aleister Crowley erklärt als „the Science and Art of causing Change to occur in conformity with Will“ („die Wissenschaft und Kunst, Veränderungen in Übereinstimmung mit dem Willen hervorzurufen“), funktioniert tatsächlich. Dr. Dean Radin, ein weltweit bekannter „ernsthafter“ Wissenschaftler und Forscher, stellt seit vielen Jahren Versuchsreihen auf, um herauszufinden, ob wir Menschen kraft unserer Gedanken und dazugehöriger Rituale Einfluß auf unsere physikalische Umgebung haben. Seine Ergebnisse sind eindeutig: Ja, wir können. Dr. Radins Untersuchungen finden Anklang bei noch viel renommierteren Kollegen, darunter ein Nobelpreisträger für Physik, eine Nobelpreisträgerin für Chemie und die ehemalige Vorsitzende der Amerikanischen Vereinigung der Statistiker, einer der größten Gruppen ihrer Art.

Nochmal, um das wirklich deutlich zu machen: Führende Naturwissenschaftler unterstützen die in Labortests bewiesenen Forschungsergebnisse Dr. Radins, der sagt: Magie existiert, und sie funktioniert, und wir können sie lernen.

Ah, noch eins: Über Zauberei werde ich demnächst viel mehr schreiben. Sie ist brauchbar, in jeder Hinsicht. Ein Werkzeug, das wir in Kombination mit unseren anderen Methoden verwenden können. Ich persönlich tue das seit langer, langer Zeit. Was kann ich sagen? Es funktioniert!

Aber jetzt zum ersten Triggerwort: OODA. Es ist die Abkürzung für „Observe, Orient, Decide, Act“ — Beobachten, Orientieren, Entscheiden, Handeln. OODA ist eine unendliche Schleife; wenn wir alle Schritte durchlaufen haben, fangen wir wieder von vorne an.

Beobachten

Was passiert gerade? Wie beinflußt es mich? Welche Veränderungen will ich erreichen (oder keine)? Die Antworten sind immer gefärbt von unserem derzeitigen gesundheitlichen, geistigen und seelischen Zustand.

Orientieren

Wo stehe ich gerade? In welchem Verhältnis stehe ich zu dem, wohin ich will? Habe ich Arbeit? Eine Beziehung? Bin ich gesund? Oder krank? Depressiv? Bin ich zuhause? Im Ausland? Die Antworten auf diese Fragen beeinflussen die Qualität meiner Entscheidung. Wohin möchte ich? Was will ich?

Entscheiden

Jetzt muß ich mir eine Marschrichtung aussuchen. Wenn diese Richtung „alles bleibt beim Alten“ lautet, dann ist das auch eine Entscheidung. Aufbauend auf den beiden vorherigen Schritten, Beobachten und Orientieren, wird diese Marschrichtung mir helfen oder mich hindern, mein Ziel zu erreichen. Muß ich unbedingt meinen lauten Nachbarn per Zauberspruch gefügig/leise machen, oder reicht es vielleicht auch, über meinen Schatten zu springen und ihn freundlicher zu behandeln? Ist es wirklich sinnvoll, tausend traditionelle Geister zu beschwören, um mein häusliches Chaos zu beseitigen, oder würde ein gründlicher Hausputz inklusive Ausmisten wahre Wunder bewirken?

Handeln

Jetzt handle ich. Entweder bleibe ich auf der Spur, auf der ich mich gerade befinde, oder ich gehe in eine neue Richtung. Schrittweise Veränderung oder radikaler Umsturz? Meditation und Opfergaben oder gleich ins Kloster?

Und jetzt beginnt alles wieder von vorn. Ich beurteile meine Situation. Was hat sich verändert (Beobachten)? Wo stehe ich jetzt (Orientieren)? Was mache ich (Entscheiden)? Und los (Handeln)!

Fallstricke

Als ehemaliger Trainer für realitätsbasierten Selbstschutz und Militärkampf und jemand, der seit Jahrzehnten praktisch okkult/esoterisch/magisch praktiziert, habe ich Erfahrung in der Anwendung der OODA-Schleife. Es gibt Schwachstellen, und die liegen immer beim Anwender:

Wir wissen oft, was wir wollen, aber nicht, was wir brauchen. Eine der traditionellen Fragefolgen im tibetisch-buddhistischen Chöd-Ritual, in dem der Praktizierende visualisiert, von seinen Dämonen bei lebendigem Leib gefressen zu werden, lautet: „Dämon, was willst du? Dämon, was brauchst du?“. Je mehr Klarheit wir über diese unterschiedlichen Punkte haben, desto schneller kommen wir zum Ziel. Wir verrennen uns in lebenslangen Fantasien, wenn wir die Realität unserer Situation falsch einschätzen oder verdrängen. Der Sturz aus solchen Luftschlössern ist in aller Regel sehr, sehr schmerzhaft, manchmal sogar vernichtend.

Es ist entscheidend, die OODA-Schleife permanent anzuwenden. Die Welt verändert sich ständig, jede Sekunde. Was wir heute beobachten, kann morgen vielleicht schon völlig anders sein. Deshalb: dranbleiben.

Was ist denn dein Ziel? Gesundheit? Aber warum rauchst du dann immer noch wie ein gebrochener Schlot und schaufelst Kohlehydrate in dich rein? Gesundheit ist nicht dein Ziel, das ist klar. Deine Handlungen definieren dein Ziel. Und dein Ziel bestimmt deine Handlungen. Zu guter Letzt: Ihr habt natürlich bemerkt, daß ihr OODA für alle Bereiche in eurem Leben einsetzen könnt; ein universelles Werkzeug, das euch mit Sicherheit helfen wird.

Echte Liebe

Leider kenne ich den Namen des Künstlers nicht.


Meine religiöse Basis ist „der Hinduismus“. Basis deswegen, weil ich voll und ganz daran glaube und diesen Glauben auch praktiziere. Und in Anführungszeichen deswegen, weil es „den Hinduismus“ ja nicht gibt, er ist nur ein westlicher Sammelbegriff für tausende von Religionen, die in Indien praktiziert werden. Fast allen ist ihnen gemein, daß sie an die Existenz der Seele glauben. Die ist schwer zu definieren, vielleicht könnte man sie als „Lebensfunke“ bezeichnen. Die Seele schlüpft bei der Geburt eines Wesens in den Körper eben dieses Wesens und „beseelt“ ihn.

Jede Seele ist in Wirklichkeit ein Teil des Göttlichen, ein Teil Gottes. Wenn sich zwei Lebewesen ineinander verlieben, dann erkennen sich die Seelen der beiden wieder — denn in Wirklichkeit, jenseits der Körper, die wir gerade tragen, kennen wir die Menschen, mit denen wir in Liebe verbunden sind, schon seit unzähligen Jahrmillionen. Seit Millionen von Wiedergeburten kennen wir uns. Diese Liebe zieht sich durch unsere Wiedergeburten, bleibt bestehen. Und irgendwann, irgendwann, treffen wir dann wieder auf die Seele(n), die wir seit Anbeginn aller Zeiten lieben. Das obige Bild wirkt beispielsweise auf Mexikaner überhaupt nicht beunruhigend. Ihre Kultur behält den Tod, das Sterben, im täglichen Andenken. Wir Deutschen haben da so unsere Probleme damit. Wir möchten unser Leben möglichst so verbringen, daß wir mit Tod nichts zu tun haben. Um Gottes Willen! Nur weg damit. Dabei hat die Akzeptanz des Todes (der nichts anderes ist als das Gegenteil des Lebens, also völlig natürlich) die erstaunliche Eigenschaft, uns gefestigter und ruhiger zu machen. Nicht umsonst meditieren und kontemplieren auch christliche Mönche, ihren hinduistischen und buddhistischen Kollegen gleich, über unsere Vergänglichkeit.

Mir gefällt das Bild so gut, weil es zeigt, daß Liebe zeitlos ist. Selbst, nachdem wir gestorben sind (die Skelette als Symbol dafür), lieben und lachen und feiern wir weiter. Nur halt woanders, in einem anderen Körper.

Karmalabor-Podcast, Folge 2: Küchenmagie

Die zweite Folge meines Podcasts ist jetzt online. Heute dreht sich alles um Küchenmagie: einfache Zauberei ohne Hilfsmittel.

Warum „Bestellungen beim Universum“ und „The Secret“ natürlich keine Magie besitzen

Klaus ist jemand, mit dem ich in regelmäßigem Emailkontakt stehe. Unser Gedankenaustausch ist interessant und inspirierend auf beiden Seiten. Vor kurzem stellte er mir die Frage: “Wo liegt der Unterschied zwischen der Magie und den Methoden von z.B. geschäftstüchtigen Bärbel Mohr, Pierre Franckh oder Rhonda Byrne?” 

Und ja, ich kann mir vorstellen, daß bei oberflächlicher Betrachtung die massenmarkttauglichen Bücher von von Mohr/Franckh/Byrne (im Folgenden “MFB” genannt) Ähnlichkeiten zu dem aufweisen, was landläufig “Magie” genannt wird. In Wirklichkeit aber ist der Unterschied zwischen den beiden Lagern riesig.

1) Die Methoden von Mohr und co. vernachlässigen komplett die weltliche Ebene und konzentrieren sich auf Wünschen und Visualisieren. Zumindest Franckh und Byrne raten ja sogar, nach dem “richtigen Wünschen” nichts zu tun, weil die Sache ja schon unterwegs sei. Das steht in krassem Widerspruch zur echten und von Ethnologen untersuchten Zauberei überall auf der Welt, bei der IMMER weltliche Aktionen UND magische Aktionen Hand in Hand gehen. Außerdem gibt es Studien namhafter und glaubwürdiger Wissenschaftler, die belegen, daß bloßes Visualisieren/Wünschen a la MFB die Erfolgsrate drastisch *senkt* (weil aktive, praktische Schritte in Richtung Ziel unterlassen werden) bzw. die Praktizierenden trotz geringer Erfolgschance an Erfolg glauben läßt (und dementsprechend eventueller massiver Enttäuschung Tür und Tor öffnet) .

2) Bestellungen beim Universum, richtiges Wünschen und „The Secret“ vernachlässigen die spirituelle Ebene des Menschen komplett. In der Magie gibt es das sogenannte “Große Werk” (die Alchemie umschrieb es damals mit der Metapher, Blei in Gold zu verwandeln — gemeint war damit, daß der Mensch in ein höheres, moralisch besseres Wesen transformiert werden sollte). Sowas kommt bei M/F/B nicht vor.

Der heilige Petrus. Wer genauer hinsieht, bemerkt die Schlüssel, die an die Statue gebunden wurden. St. Petrus gilt beispielsweise im Hoodoo als Öffner der Türen und Portale — sprich: Ihm kommt eine ähnliche Aufgabe zu wie Ganesha, dem Sohn Shivas. Den meisten Katholiken stehen die Haare zu Berge, wenn sie mit der Heiligen-Interpretation anderer spiritueller Schulen konfrontiert werden.


3) Die Arbeit mit Geistwesen gehört zur Magie, wie sie wirklich überall auf der Welt praktiziert wird, wie die Blätter zum Baum. Schamanismus ist schätzungsweise 40.000 Jahre alt — und arbeitet fast ausschließlich mit Wesen aus der Anderwelt. Der Erfolg gibt ihm recht. So was fehlt bei M/F/B komplett.

4) Magie ist ein umfassendes System, das Meditation, Energiearbeit, Arbeit an sich selbst, den Glauben und den Kontakt an ein Höheres Wesen (oder Prinzip) und mehr umfaßt. All diese Dinge sind seit tausenden von Jahren als äußerst positiv bekannt — und kommen bei den oben genannten Esoterikern nicht vor. Magie ist viel, viel mehr als nur das, was “praktische Magie” (Methoden, um Veränderungen in der Realwelt zu erreichen) genannt wird. Es ist ein System, das hohe spirituelle Arbeit und bodenständige Chancensteigerung vereint. Mehr zu empfohlenen spirituellen Praktiken in einem meiner nächsten Artikel.

5) Nicht umsonst gibt es in jeder Religion zaubertätige “Meister”, sei es im tantrischen Buddhismus (Künzang Dorje), im Christentum (Rasputin) oder in anderen. Ich würde sogar argumentieren, daß die Beschreibungen von Jesu’ “Wunderheilungen” astreine magische Praktiken beschreiben. Ich bin überzeugt: Jesus war Zauberer. Dieser Meinung sind beispielsweise auch Hoodoo-Praktizierende. Einer der vielen Beweise für Rituale aus der ägyptisch-magischen Tradition, mit der Jesus höchstwahrscheinlich gut vertraut war, findet sich in Johannes 9, 6-7:

„Er spuckte auf die Erde, rührte mit dem Speichel einen Brei an und strich ihn auf die Augen des Blinden. Dann forderte er ihn auf: ‘Geh jetzt zum Teich Siloah, und wasch dich dort.’ Der Blinde ging hin, wusch sich, und als er zurückkam, konnte er sehen.” 

Warum sollte Jesus als Sohn Gottes nicht einfach einem Blinden die Hand auflegen oder ein Wort sprechen, um ihn komplett zu heilen? Warum das Vermischen von Erde und Speichel? Ganz einfach: weil genau das ein zu seiner Zeit bekanntes Heilritual (= Magie) aus Ägypten war. Was ich also damit sagen will: Magie ist ein natürlicher Bestandteil jeder Religion und somit fast automatisch größer, bedeutender und edler als jeder Esoterikbestseller. Katholiken, denkt beispielsweise mal drüber nach, was es wirklich bedeutet, wenn der Pfarrer im Gottesdienst Brot und Wein zu „Fleisch und Blut“ Jesu verwandelt! Das ist Magie, schlicht und einfach. Der Trennstrich zwischen Magie und Religion ist streng genommen eigentlich gar nicht zu ziehen, weil es ihn nicht gibt.

 Dieser Macumba-Altar vereint katholische Heilige mit afrikanischen Göttern und Heiligen. Es ist diese respektvolle Freimütigkeit im Umgang mit dem Heiligen, die Magie auszeichnet. Verständlich, denn sowohl das amerikanische Hoodo als auch das afrikanische Voodoo und das brasilianische Macumba entstanden, als afrikanische Sklaven von katholischen Machthabern gezwungen wurden, ihre Religion aufzugeben. Sie praktizierten sie weiterhin, allerdings im katholischen Gewand, und so entstanden faszinierende und enorm wirksame spirituell-magische Systeme. 

Deshalb: Habt keine Scheu, mit Heiligen zu sprechen oder sie um Hilfe zu bitten. Ich weiß, für uns Menschen in Bayern ist das einfach :) Versucht es, und gebt euch Zeit. Habt Geduld, und ihr werdet Erfolg haben.

Wir spielen mit der Realität, Folge 4: Titanen

Immer wieder hören wir in esoterischen und spirituellen Kreisen von bevorstehenden Dimensionswechseln, neuen Zeitaltern, Energieströmen und ähnlichem mehr. Offensichtlich haben einige Leute das Gefühl, daß das Zeitalter des Wassermanns -- Wahrheit, Gerechtigkeit, Bionahrung, Atomwaffenabbau und Frieden allüberall -- direkt, morgen oder so, zu uns kommt. Andererseits kann nicht mit letztendlicher Sicherheit ausgeschlossen werden, daß das Neue Zeitalter von radioaktiven Kannibalenzombies beherrscht werden wird. :)

Das 21. Jahrhundert ist intensiv damit beschäftigt, die Titanen auferstehen zu lassen -- jene urmächtigen, ursprünglichen Erbauer unseres Kosmos, die in verschiedenen Mythologien auftauchen -- als Riesen im germanischen Schöpfungsmythos, als Titanen ("Τιτάνες") in den griechischen Mythen, als Asuras in den indischen Sagen. Laßt uns an dieser Stelle nicht vergessen, daß Sagen ausnahmslos einen wahren Kern besitzen. Wenn, und das ist das Zauberwort (ha!) hier, wenn wir uns darauf einlassen.

Sobald diese titanischen Kräfte ihre Arbeit vollbracht haben, werden sie aus dem nunmehr geordneten Kosmos verstoßen, der dann von anderen Wesen bevölkert wird. Aber deswegen sind die Titanen nicht verschwunden, sie sind trotzdem immer DA, am Rande unseres Wahrnehmungshorizonts, an der Schneide der Wirklichkeit. Diese Titanen, zerstörerisch und schöpferisch zugleich, tauchen immer wieder als literarische Themen auf: der Konflikt zwischen Vernunft und rohem Instinkt. Der Hohepriester dieser Thematik ist zweifellos der Autor H.P. Lovecraft, dessen "Große Alte" eine dauerhafte Faszination auf Okkultisten auszuüben scheinen, begleitet von anderen Pantheons dunkler, toter oder sonstiger anderweitig ungewöhnlicher Götter.

Der Sagenkreis der Titanen steht für die katabolen Kräfte, die für Veränderung in jedem System verantwortlich sind -- auf kosmischer und subatomarer Ebene. Sind sie im Gleichgewicht, glauben wir, daß sie schlafen. Wenn allerdings ein System sich bis zu einem bestimmten Grad der Komplexität entwickelt hat, wird es zusehends instabil. Dies führt dann entweder zur Evolution auf einer höheren Eben, oder eben zum Zusammenbruch. Ein gutes Beispiel für titanische Kräfte und durch sie verursachte massive Veränderungen ist die derzeitige politische Lage auf der Welt.

Zu Krisenzeiten sind die Titanen aktiv oder werden aktiver: immer dann, wenn große Instabilität vonnöten ist, damit sich der evolutionäre Sprung vollziehen kann. Kernkraft ist so eine Technologie, die plötzlich den Zugang zum ursprünglichen Chaos der Titanen ermöglicht. Die Tore sind weit geöffnet, und die Evolution aller in dieser Biosphäre lebenden Wesen ist davon betroffen.

In dem Maße, in dem die Kraft der Titanen wieder auf die Erde zurückkehrt, wächst die Mitgliederzahl der Priesterschaft, die sie verehrt -- machtbesessene Politiker und Unternehmer und ihrer Statthalter. Wie die inzüchtigen bösen Magier des Cthulhu-Mythos glauben auch sie, daß die Titanen kontrolliert werden können, daß sie das Rüstzeug dafür besitzen, nukleare und menschliche Kräfte gefahrlos zu kontrollieren. Die aktuelle Völkerwanderung, die bestehenden westlichen Wohlstand und Menschenleben auf beiden Seiten massiv bedroht, angeheizt durch gewissenlose Politiker, religiöse Führer und Schlepperorganisationen, und die letzten beiden großen atomaren Katastrophen (Chernobyl und Fukushima) sind erschreckender Beweis dafür.

Denn genau das ist das Problem: Die Titanen sind völlig amoralisch (nicht unmoralisch). Sie besitzen keine menschliche Intelligenz (sondern eine andere, weit ältere). Menschliche Denk- und Gefühlswelten bedeuten ihnen nichts. Der einzige Interaktionspunkt mit ihnen sitzt in unserem Reptiliengehirn, dem ältesten Teil unseres Hirns, in dem unser vorverbalen Atavismen und Instinkte beheimatet sind.

Wir nennen die von den Titanen verursachte Evolution des Bewußtseins "Titanen-Gnosis". Die Erkenntnis wächst, daß das Überleben der Menschheit alle Grenzen übersteigt, ideologische und kulturelle; daß es notwendig ist, mit der Natur zu leben anstatt sie zu vernichten. Es scheint, als bewegten sich die Titanen in ihrem totengleichen Schlaf, umso mehr, je mehr Menschen aufwachen und die Notwendigkeiten begreifen.

Das Schwierige dabei ist, daß wir die Titanen brauchen, wenn wir den nächsten evolutionären Sprung erfolgreich (im Sinne von für die gesamte Menschheit erfolgreich) schaffen wollen. Ohne sie geht es nicht -- und das ist gleichzeitig die große Gefahr für uns alle.

Visionäre, Träumer und Zauberer sind sich der Titanen-Gnosis bewußt. Viele von ihnen arbeiten aktiv daran, ihre Aktivitäten und Energien in eine positive Richtung zu lenken. Es ist be(un)ruhigend, daß alle unsere Aktivitäten, sei es positives Denken, Magie oder politische Arbeit, nur bedingt hilfreich sind. Die Titanen formen das Gefüge der Wirklichkeit selbst, sie sind die Wirklichkeit.

Anmerkung: Dieser Aufsatz wurde nach einer Reihe von Meditationen und Zeremonien geschrieben, die sowohl vor, als auch nach dem atomaren Großunfall von Chernobyl stattgefunden hatten.

Wir spielen mit der Realität, Folge 3: Seltsamkeiten heraufbeschwören

Der folgende Text ist eine Übersetzung eines alten Klassikers des Westlichen Zen (Zauberei). Er tauchte zuerst in den 1980ern auf und gilt immer noch als einer der Eckpfeiler freien Denkens. Im Text erfahren wir einige äußerst brauchbare Techniken, um die starren Grenzen unseres Denken auszuweiten. Mein alter Adept sagte immer zu mir: „Kumpel, es gibt nichts, was du nicht tun könntest, wenn du dich darauf konzentrierst.“

Also gingen wir los, in vollem Golden Dawn-Gewand, um die Flut an der Küste von Bournemouth aufzuhalten. Danach ließ er mich Sigillen herstelleb, um Harold Macmillans Haar zu Berge stehen zu lassen. Er gab sein Leben der Magie hin, erzählte er, nachdem er [Aleister; Anmerkung des Übersetzers] Crowley in einem türkischen Bad getroffen hatte, aber er besaß einen grenzenlosen Enthusiasmus, der ansteckend war. Man fühlte, also ob man alles tun könnte, egal wie albern oder unsinnig es war. Er pflegte zu sagen: „Wenn das Himmelreich in dir ist, warum gibst du mehr als 10 Pfund für okkulte Bücher aus?“ Hier sind einige der Dinge, die er mich tun ließ:

Alles, was wir wissen, läuft am Ende auf Vermutungen hinaus, also kehre alle Aussagen um oder baue das Wort „nicht“ in Behauptungen ein, springe, ohne vorher zu schauen, wohin. Wache eines Tages auf und versuche, deine alltägliche Realität zu verbannen — alles wird neu, ungewohnt und völlig verblüffend. Dinge werden intensiv und beängstigend.

Habe unrecht. Wir verbringen viel Zeit damit, nach „richtigen“ Antworten zu streben, nach richtigen Überzeugungen, danach, alles richtig zu machen. Richtig machen = Vertrauen = Erfolg. Langweilig! Habe unrecht!

Götter und Gurus. Von einem Gott oder einem Geistwesen besessen zu sein, erlaubt es dir, Dinge zu tun, die du normalerweise nicht tun könntest. Ein Guru liefert den Beweis, daß du auf einem Hochseil balancieren kannst, ohne runterzuzufallen, daß du im tiefen Teil des Schwimmbeckens spielen kannst, ohne zu ertrinken. Wahnsinn scheint ein Berufsrisiko für Zauberer zu sein. Also besser jetzt wahnsinnig werden, um später Zeit zu sparen. Harpo Marx war der größte Schamane Hollywoods. Könntest du etwa einen Gummihandschuh aufblasen und ihn dann melken?

Vernunft ist „da draußen“ und weniger in deinem Kopf, da sich die meisten Menschen für verrückter halten als jeder andere. Wenn wir zu viele verrückte Gedanken äußern, werden wir eingesperrt. Ich erinnere mich an eine Frau in der örtlichen Anstalt, die dachte, sie wäre ein Vogel in einem Käfig — sie hatte gelernt, darüber Stillschweigen zu bewahren, weil ihr das sonst nur zusätzliche Zwangsmedikamentierung und Elektroschocktherapie einbrachte. Sicher sein bedeutet gesund zu sein — seine eigenen verrückten Gedanken nicht auszusprechen. Zauberei kann bedeuten, deine eigenen verrückten Gedanken als Banden auf die Straße zu lassen.

Zauberei ist eine Sache der Straße. Magier müssen gesehen und gehört werden. Crowleys Trickster-Persona hat dies deutlich gezeigt; er folgte im Zick-Zack Cagliostro, Simon Magus und unzähligen Schamanen und Hexen.

Ein guter Magier spielt für sein Publikum, sei es ein Stammesschamane, der Ifa praktiziert, oder ein Zauberer an der Straßenecke, der Talismane gegen Polizeiwillkür aus Blechdosen fertigt. Lerne zu jonglieren, zu tanzen, Schläge einzustecken und auszuteilen; das sind die wirklichen Siddhis. Wenn du wirklich zu einem kleinen Größenwahnsinnigen emporkommen willst, könntest du genauso einige Lacher einholen, während du auf dem Weg bist. Gib mir bitte den Zylinder.

Wir spielen mit der Realität, Folge 2: Erkenntnis

Erkenntnis wird in vielen Religionen und Philosophien „Gnosis“ (das griechische Wort) genannt. Sie wird verschiedentlich definiert als „intuitives Verständnis spiritueller Wahrheiten“, „tiefere Weisheit“ und „höchstes mystisches Wissen“ (.)

Gnosis ist der Schlüssel zum Spiel mit der Realität. Man könnte sie auch ganz einfach „Trance“ nennen, aber das führt in die Irre, weil in unserem Sprachgebrauch „Trance“ immer verbunden ist mit stark entrückten Bewußtseinszuständen (die in ihrer Ausprägung klischeehaft eher an Katatonie erinnern als an echte Trance). Dabei kann es auch schon Gnosis sein, ganz vertieft oder gelangweilt auf einem Blatt Papier zu kritzeln.

Gnosis erreichen wir dann, wenn wir uns in einem intensiven Bewußtseinszustand befinden. Dieser Zustand wird in verschiedenen spirituellen Traditionen No-Mind, One-Pointedness oder Satori genannt. Um diesen Zustand zu erreichen, versuchen wir, unser waches Bewußtsein von allen Sinneseindrücken und Vorstellungen zu befreien, die nichts mit dem Objekt unserer Konzentration zu tun haben.

Beispiele: konzentriertes Schauen auf eine Kerzenflamme. Konzentration auf ein Mantra oder einen Ton. Visualisierung einer Szene oder eines Gegenstands. Wir können auf verschiedene Methoden der Gnosis zurückgreifen, vom rasenden Tanzen bis hin zur versunkenen Betrachtung einer Idee. Welche Methode auch immer gewählt wird, wir tun das so lange, bis wir in Ekstase versetzt werden.

Genau genommen sprechen wir von zwei verschiedenen Wegen, Gnosis zu erreichen: hemmende und erregende. Hemmende Methoden sind alle die, die Sinneseindrücke eindämmen und beruhigen (sitzende Meditation ist hier das klassische Beispiel, oder das oben erwähnte Starren in eine Kerzenflamme). Erregende Methoden sind alle die, die uns mit Sinneseindrücken überladen (der oben erwähnte rasende Tanz beispielsweise, oder schnelles, oberflächliches Atmen bis leichter Schwindel eintritt).

Das Erreichen der Gnosis kann für religiös orientierte Menschen zu „mystischen Erfahrungen“ führen — Besuch von Göttern, Dämonen oder der Offenbarung göttlicher Wahrheiten. Für uns, die wir die dehnbaren Grenzen unserer Realität austesten möchten, ist der Inhalt derartiger Erfahrungen weniger interessant als das, was wir damit machen können — in jenen Momenten der Gnosis können wir Heilzeichen abschicken (mehr dazu in einem meiner späteren Artikel), Wahrscheinlichkeiten zumindest geringfügig erhöhen, Intuitionen über das beste Vorgehen bekommen, und so vieles mehr. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß in der Vergangenheit viele Techniken der Gnosis durch den Gebrauch von Drogen verstärkt wurden — von Hexenflugsalben bis zu den LSD. Ich möchte hier deutlich klarstellen, daß ich diese Praktiken nicht unterstütze.

Jedes spirituelle System und jede Tradition ist unvollständig, wenn nur mit Theorie hantiert wird. Lernen allein ist von geringem Wert. Erst praktische Anwendung schafft Erfahrung. Es gibt dicke Bücher über Götter, Dämonen oder Geister, aber sie sind kein Ersatz für eine Begegnung beispielsweise mit einer Gottheit. Ich finde es sehr spannend, daß auch große historische Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft diese Techniken angewendet haben und auch heute noch anwenden. Andrew Carnegie beispielsweise, ein berühmter amerikanischer Stahlbaron, befragte vor wichtigen Geschäftsentscheidungen immer seine „Beraterrunde“: Geistwesen, die er in Trance traf und sich mit ihnen besprach.

Mein Vorschlag: Beginne heute mit einer spirituellen Übung. Meditation bietet sich dafür an. Übe möglichst jeden Tag, und wenn du mal nicht kannst, bleib gelassen. Steter Tropfen höhlt den Stein, heißt es immer, und es stimmt.

Wir spielen mit der Realität, Folge 1: Grundsätzliche Regeln

Wir sind eingebettet in ein lebendes Universum. Selbst diejenigen unter euch, die nicht daran glauben (oder nicht die Erfahrung gemacht haben), daß alles beseelt ist, müssen eingestehen, daß zumindest Pflanzen (Tiere ohnehin) empfindlich auf Ereignisse reagieren, die sie bedrohen. Spätestens die Tatsache, daß Pflanzen sterben, wenn sie nicht gegossen werden, ist Beweis genug, finde ich.

Ich starte heute eine Artikelserie zum Thema Konsens-Realität. Die Kurzdefinition dieses Begriffs fasse ich so:

(Unter Konsens-Realität) versteht man die Gesamtheit dessen, was die Allgemeinheit als „Realität“ versteht. Diese Realität ist seit einigen Jahrzehnten stark materialistisch geprägt; ihrer Ansicht nach gibt es weder eine Seele, noch Geistwesen, noch Götter, noch Energien, die wir Menschen beeinflussen oder steuern können.

Wir haben uns bereits angesehen, was passiert, wenn wir die „Weisheiten“ der Konsens-Realität beiseite lassen und so handeln, als wüßten wir nichts über die vermeintlichen Eigenschaften der Welt.

Heute geben wir unseren Experimenten eine Struktur. Beginnen wir… am Anfang.

Fast alle Systeme, die sich mit Veränderung oder Erforschung der Konsens-Realität befassen, bauen auf Konzepten auf, die einander stark ähnlich sind. Wichtig: Faßt diese Konzepte NICHT als theoretische Konstrukte auf, sondern stellt für euch persönlich fest, durch aktives Experimentieren, ob sie wahr oder falsch sind. Ein wahres Konzept gilt für uns automatisch als real.

Das Ganze ist verschlüsselt in jedem seiner Bestandteile zu finden — „Wie oben, so unten“, lautet die alte Weisheit.

Alles hängt miteinander zusammen, und alle Bestandteile haben Anteil an einem einzigen Bewußtsein.

Das Ganze organisiert und ordnet sich selbst, und die Evolution aller Formen wird von ähnlichen Prinzipien bestimmt.

Mit trainierter und zielgerichteter Willenskraft können wir Veränderungen auf unterschiedlichen Stufen der Organisiertheit bewirken (Wahrscheinlichkeit > Möglichkeit).

Veränderung ist die einzige Konstante.

Das Ganze ist größer als die Summe seiner Einzelteile.

Unsere Überzeugungen bestimmen die Grenzen der Erfahrungen, die wir machen können.

Die „Alltagsrealität“ ist nicht die Grenze unserer Erfahrung — wenn wir veränderte Bewußtseinszustände einnehmen, erfahren wir andere Wirklichkeiten.

Die Wesen, denen wir in unseren Erlebnissen dieser anderen Wirklichkeiten begegnen, sind in diesen Wirklichkeiten real. Ihre relative Existenz oder Nicht-Existenz anzuzweifeln tut nichts zur Sache, weil sich das Universum so verhält, als seien sie real.

Die Fähigkeit, Konsens-Realität zu erforschen und zu verändern, hat ihren Ursprung in einer transformativen Reise nach Innen.

Behandle alles so, als sei es lebendig

…weil es tatsächlich lebendig ist.

Ich pflege ein Weltbild, in dem alles und jeder beseelt ist. Diese Ansicht ist nicht nur praktisch, weil sie viele Fragen beantwortet, sondern sie läßt mich auch einfühlsamer sein. Diese Allbeseeltheit wird im wissenschaftlichen Jargon auch als „Animusmus“ bezeichnet.

Und entgegen den Behauptungen auf Wikipedia (der ohnehin nicht sonderlich zu trauen ist) liegt Animismus mittlerweile sogar bei vielen Naturwissenschaftlern wieder ganz weit vorne. Aber das nur nebenbei.

Ich möchte heute mit euch ein Experiment durchführen. Genauer: das Experiment, mit dem ich damals, vor Jahrzehnten, in das Thema Konsensusrealität einstieg. Wieder so ein Wort: Konsensusrealität. Darunter versteht man die Gesamtheit dessen, was die Allgemeinheit als „Realität“ versteht. Diese Realität ist seit einigen Jahrzehnten stark materialistisch geprägt; ihrer Ansicht nach gibt es weder eine Seele, noch Geistwesen, noch Götter, noch Energien, die wir Menschen beeinflussen oder steuern können.

Unser heutiges Experiment soll euch helfen, die Begrenztheit der Konsensusrealität zu erkennen und zu durchbrechen. Und ganz nebenbei ist es enorm praktisch.


  1. Besorgt euch eine kleine Figur oder Statue, die euch gefällt.
    Das kann alles sein, von der Batman-Actionfigur bis hin zur klassisch griechischen Büste. Diese Statue wird euer schützender Hausgeist werden. 
  2. Sucht euch einen Platz im Haus, an dem ihr die Statue aufstellen könnt, und an dem sie ungestört ist. 
  3. Unterhaltet euch mit der Statue und bringt ihr ab und zu kleine Opfergaben (Wasser, Räucherstäbchen, Süßigkeiten).
    Macht das täglich. Behandelt sie wie einen Freund — denn genau das wird sie bald werden. Durch euer Verhalten wird die Statue sehr bald ein Eigenleben bekommen. 
  4. Wenn ihr beispielsweise etwas verlegt habt, fragt euren Hausgeist um Rat.
    Meist kommt die Antwort in Form von Ahnungen oder Gefühlen. Vertraut darauf. Und gebt eurem Hausgeist die Chance, mit euch zu lernen. Nobody is perfect. 
  5. Macht das regelmäßig, und ihr werdet feststellen, daß euer Hausgeist tatsächlich existiert.
    Warum? In meiner animistischen Weltsicht ist die Frage leicht beantwortet: Durch eure Handlungen habt ihr einen „Geist“ gerufen, der an genau dieser Aufgabe Interesse oder Spaß hat. Wenn ihr ihn freundlich und normal behandelt, wird er diese Aufgabe erledigen. Natürlich kann es auch vorkommen, daß er keine Lust hat oder aufhören möchte. In diesem Falle könnt ihr euch mit ihm unterhalten und fragen, was er sich wünscht. Vielleicht einigt ihr euch. 


Fühlt ihr euch bei der Vorstellung unangenehm berührt, mit einem „Gegenstand“ zu sprechen und ihn so zu behandeln, als sei er lebendig? Dann habt ihr bereits den ersten Schritt zur Erkenntnis getan. Der zweite Schritt erfordert etwas Mut: Macht es trotzdem. Gebt euch die Chance, überrascht zu werden. Werdet euch der Tatsache bewußt, daß euer Wissen über die Welt auf Erfahrungen beruht, und daß neue Erfahrungen die Welt wieder neu machen. Viel Spaß!

Das allerneueste, allerwirksamste Geheimnis — und die Rückkehr des Du

Liebe Leser,

ich kehre mit diesem Blogpost wieder zum Du zurück. Jetzt, wo ich einige Zeit das brave Siezen versucht habe, konstatiere ich, daß mir die Distanz zu groß ist. Obendrein duzen wir uns in meinem Seminaren ohnehin. Deshalb: Gute Reise, Sie. Servus, du!

Der Traum, sich Wünsche zu erfüllen und die letztendliche Herrschaft über die Welt zu erlangen, ist wahrscheinlich so alt wie wir Menschen selbst. Ich habe gerade gegoogelt, und zwar nach dem Begriff „Wünsche erfüllen“. Mehr als NEUN Millionen Treffer.

Auf dem Markt der noch-unerfüllten-aber-bald-sicher-in-Erfüllung-gehenden-Träume wird alles feilgeboten, was sich irgendwie verkaufen läßt: „Wie sich deine Wünsche wirklich erüllen“, das allerneueste Gesetz der Anziehung, das letzte, diesmal wirklich wirksame Gesetz der Resonanz kommt auch mit dazu, Wunschmagnete warten auf ihre Käufer, und natürlich warten irgendwo noch ganz spezielle Techniken zur Erzeugung von Wundern. Unzählige Experten wollen herausgefunden haben, daß es ganz bestimmte, zusätzliche Techniken gibt, die endlich die Tür zu Dagoberts Goldspeicher aufschließen und uns in unermessliche Reichtümer tauchen. Ach ja, und immer wieder tauchen bis dato mysteriöse Bücher aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts auf, die das Rezept zur Wunscherfüllung in sich bergen.

Jetzt bin ich normalerweise jemand, der mit Esoterik und New Age-Kram so gar nichts anfangen kann, einfach weil so viel Blödsinn erzählt wird, der falsche Hoffnungen in den Käufern weckt. Das halte ich für völlig unmoralisch.

Aber ich muß gerecht bleiben, so weit mir das möglich ist.

Verschiedene Ansätze der Wunscherfüllung und „Manifestation“ enthalten durchaus brauchbares Material — da ist mit Sicherheit für viele Menschen was dabei. Nur, weil ich beispielsweise „The Secret“ für ausgemachten und vor allem menschenverachtenden Unfug halte, heißt das nicht, daß andere das genauso empfinden. Und ich bin sogar davon überzeugt, daß es bei einigen, vielleicht sogar vielen, wirkt.

Die Welt ist derart unerklärlich, sobald wir ausgetretene „wissenschaftlich beweisbare“ Pfade verlassen — und selbst die sind gespickt mit falschen Angaben, nicht verifizierbaren Experimenten und Annahmen, die sich durch nichts beweisen lassen. In diesem großen Ozean des Nichtwissens gibt es ein paar Konstanten. Eine davon ist die Tatsache, daß unsere Gedanken tatsächlich unsere Welt oder unser Erleben der Welt verändern. Wie das geht? Keine Ahnung. Und nein, die Quantenphysik kann’s nicht erklären — eben weil sie auf Quantenebene wirkt und NICHT auf der Makroebene, in der wir uns meistens so aufhalten.

Es stellt sich die Frage: Brauchen wir überhaupt zu wissen, warum manche „esoterische“ Techniken wirken? Ist es notwendig? Ich glaube nicht. Wenn wir „unser“ System gefunden haben, dann spielt das Wissen um die Mechaniken im Hintergrund keine Rolle. Deshalb: Finde raus, welches System dir zusagt. Was spricht dich an? Du kannst diese Systeme verinnerlichen. Wenn du von Menschen umgeben bist oder Umgang hast, die ähnlich wie du denken und vielleicht sogar dasselbe System verwenden, hilft dir das, deine Zuversicht und deine positiven Erwartungen zu stärken.

Du kannst dir natürlich auch Teilstücke aus verschiedenen Systemen raussuchen und dir dein eigenes Konstrukt bauen. Wie beurteilst du, ob du auf dem richtigen Weg bist? Wenn du Resultate bekommst, die ungefähr in die Richtung gehen, die du dir vorstellst. Wirksamkeit ist der Maßstab der Wahrheit — auf dieses Prinzip werde ich in den kommenden Wochen näher eingehen.

Um überhaupt einen ersten Schritt tun zu können, mußt du erst einmal definieren, was du wirklich willst. Erst dann kannst du losgehen. Halte den Fokus darauf gerichtet und vertraue. Es werden sich Türen öffnen und Gelegenheiten ergeben.

Keines der Systeme und Bücher, die angeboten werden, hat „geheime Techniken“. Sie funktionieren, weil sie dir helfen, dich auf dein Ziel zu konzentrieren. Wenn ein System das nicht bieten kann, wird es für dich keinen Nutzen haben.

Das „Geheimnis des Erfolgs“ ist, daß es kein Geheimnis gibt. Unser Fokus auf das, was wir wollen, ist entscheidend. Wir haben jede Sekunde die Möglichkeit, unser Denken in die Bahnen zu lenken, die gut für uns sind, die uns gut tun.

Sei weniger kritisch und mehr aufgeschlossen. Konzentriere dich nicht auf die Dinge, die du nicht haben willst, sondern auf die, die du wirklich möchtest. Eine sehr, sehr einfache Methode, das zu tun, ist den Augenblick zu loben und gute Worte und Gedanken über solche Dinge zu verlieren, die du haben möchtest.

All das erfordert Aufmerksamkeit. Wachsamkeit. Deine Gedanken formen deine Welt und dein Erleben. Lenke hin und wieder deine Aufmerksamkeit auf deine Körperhaltung. Nimm die Schultern zurück, hebe den Kopf, Rücken gerade, setze ein Lächeln auf. Du wirst spüren, daß sich dein seelischer Zustand bald verbessert. Die Stimmung hebt sich.

Alles ist mit allem verbunden, deshalb verändert unser Gefühlszustand unsere Körperhaltung, aber andersrum genauso: Unsere Körperhaltung und Mimik verändert unseren Gefühlszustand.

Wie immer gilt: Übung macht den Meister. Du kannst das beste System der Welt haben, wenn du es nicht praktizierst, dann hilft es dir nichts, und du wirst auch keinen Fortschritt erzielen. Bitte achte auch darauf, daß das System, das du dir aussuchst oder baust, auch Spaß macht. Je mehr Spaß es macht, desto öfter und lieber wirst du es einsetzen.

Einmal im Monat: Praktizieren Sie dieses heilige Prinzip

…das Prinzip, von dem ich spreche, lautet:

„Hören Sie auf, vernünftig zu sein“.


Was, ich höre Widerspruch?

Aber ich meine es wirklich so. Wir alle sind von etwas befallen, das ich „Virus“ nenne. Es ist der Virus der Ernsthaftigkeit. Genauer: der verbissenen Ernsthaftigkeit. Sehen Sie sich um. Die lächelnden, fröhlichen, vergnügten, staunenden Gesichter sind in der Minderheit. Todernst sind wir die meiste Zeit. Steif vor Ernsthaftigkeit. Und wir lassen nicht mal los, wenn wir die Gelegenheit dazu hätten. Der Virus der Verbissenheit hat uns fest im Griff. Feiern wir doch mal zur Abwechslung! Feiern wir Fröhlichkeit und Gelächter! Feiern wir Unsinn und Spaß! Das Leben ist nicht nur Beerdigungsstimmung und Zähneknirschen. Es gibt Höhen und Tiefen. Wir konzentrieren uns viel zu viel auf die Talfahrten. Erschaffen wir unsere eigenen Höhepunkte. Freude liegt in unserer Verantwortung.

Zum Einstieg: nur einmal im Monat. Das schaffen Sie, mit Sicherheit. Auf die Nachwirkungen möchte ich Sie natürlich auch aufmerksam machen: Es kann zu Fällen vermehrter Fröhlichkeit und spontaner guter Laune kommen.

Sie wurden gewarnt.

Wikinger, Voodoo und Heilige: eine Religion

Was ist Religion? Was ist ein Kult? Was ist Fake? Was ist echt?

Schauen wir doch mal kurz nach Venezuela. Das folgende Beispiel finde ich höchst interessant.

Offizielle christliche Kirchenvertreter und Politiker bezeichnen Maria Lionza gerne als “Kult”. Manchen Erhebungen zufolge sind zwar 90 Prozent aller Einwohner Venezuelas auf dem Papier katholisch, praktizieren aber Maria Lionza. Diese Volksreligion exisitiert schätzungsweise seit einigen hundert Jahren und ist eine Mischung aus katholischen, spiritistischen und Voodoo-Elementen. Sie hat ihre eigenen Heiligen und ja, Gläubige werden in Festlichkeiten auch von Geistwesen und Verstorbenen besetzt.

Besonders faszinierend wird es, wenn man erfährt, daß es im Maria Lionza-Glauben mehrere unterschiedliche “Höfe” gibt, denen unterschiedliche Heilige und Geistwesen vorstehen. Noch faszinierender wird es für mich, wenn ich höre, daß es den “Hof der Wikinger” gibt, dem der Geist von Erik dem Roten, einem im 10. Jahrhundert gestorbenen Wikinger, angehört. Erik ergreift regelmäßig Besitz von Gläubigen, und er fordert Tribut: Blut, viel Blut muß es sein. Diese Vermischung mit der typischen Besessenheit, die wir beispielsweise auch vom Voodoo oder anderen spiritistischen Religionen kennen, macht Maria Lionza so interessant.

Abgesehen davon, daß es durchaus exotisch ist, den Geist eines Wikingers in einer südamerikanischen Religion zu sehen, hat die Sache noch ein nicht ganz so kleines, aber bemerkenswertes Detail: Noch vor den 1970er Jahren war Erik der Rote und eigentlich auch der Hof der Wikinger nicht im Maria Lionza-Glauben bekannt. Das kam nämlich erst, nachdem in den 70ern in Venezuela eine Serie mit Wikinger-Thema im Fernsehen lief. DANACH erst kamen Erik und seine Kameraden zu Besuch bei den Gläubigen vorbei. Ist die Religion deshalb fake, unecht? Natürlich nicht. Die Besessenheit ist echt, die Ratschläge der Geistwesen sind echt, das ganze Geschehen ist echt. So funktioniert Religion, und so funktionieren wir Menschen.

Maria Lionza ist ein perfektes Beispiel dafür, daß religiöse Tradition ihre Wurzeln nicht in der Gechichte hat, sondern in der Ewigkeit. Im Strom der Welt taucht eine Entwicklung auf, und sie wird aufgegriffen oder nicht. Egal, was Menschen sagen, die gerne an den Dingen so festhalten wollen, wie sie jetzt gerade sind: Das Leben fließt, alles verändert sich. Der Katholizismus von heute ist nicht mehr der, der er noch vor hundert Jahren war. Im Hoodoo von heute gibt es immer mehr Praktizierende, die mit katholischen Heiligen arbeiten, auch wenn die noch vor 100 Jahren die absolute Ausnahme waren, weil Hoodoo protestantisch, also eigentlich per se bilderlos ist.

Dies alles beweist, daß die Tage von Religionen noch lange nicht gezählt sind — eher im Gegenteil.

Kurzer Clip über Maria Lionza:

The cult of Maria Lionza (original video lasts 35 min.) from ExploringWorld on Vimeo.

Erschaffe die Wirkung, und die Ursache wird folgen.

Der gute Osho/Bhagwan hat umschrieben mal das gesagt: Religiöse Gesetze stellen Naturgesetze auf den Kopf. Und trotzdem funktionieren sie. Aber halt nach anderen Regeln.

Ein Beispiel, und danach machen wir mit einer konkreten Anwendung weiter:

Naturwissenschaft sagt: Zuerst kommt die Ursache, dann die Wirkung. Also: Zuerst wird der Same in die Erde gesteckt, dann wächst die Pflanze draus. Freunde besuchen dich, und du bist glücklich. Diese Reihenfolge gehört zu den grundlegendsten Gesetzen in der Naturwissenschaft. Ohne Ursache keine Wirkung. Kennen wir alle aus der Schule.

Und wechseln wir die Welten und schauen auf die Religionen. Es ist übrigens egal, welche wir uns da aussuchen. Hier steht die Naturwissenschaft plötzlich auf dem Kopf, denn das Gesetz lautet jetzt:

„Erschaffe die Wirkung, und die Ursache wird folgen.

Also genau andersrum. Religion sagt: Sei glücklich, und die Ursache wird kommen. Sei entspannt, und die Ursache wird kommen. Sei zuversichtlich, und der Grund dafür wird kommen. Fühle dich zuerst so, wie du es dir wünscht, und der Grund folgt später.

Hier kommt eine alte Yoga-Weisheit ins Spiel: Wir haben es in der Hand, wie wir uns fühlen. Jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde: Wir haben es in der Hand. Es ist viel einfacher, uns in einen zufriedenen und glücklichen Zustand zu versetzen und dann irgendwann den Grund dafür zu erfahren (der wird nämlich kommen), als zuerst auf einen Grund zu warten, damit wir zufrieden und glücklich sind.

Warum? Weil wir es in der Hand haben, diesen Zustand zu erschaffen. Die Erschaffung der Ursachen dagegen könnte oft völlig außerhalb unseres Zugriffs liegen. Gefühlszustände liegen in uns, die Ursachen aber nicht. Also verlassen wir uns lieber auf das, was wir kontrollieren können. Eine kleine Übung: Seien Sie glücklich. Ohne Grund. Einfach so. Das braucht etwas Übung, aber das spielt ja keine Rolle. Also: Seien Sie glücklich. Und dann schauen Sie einfach mal, was sonst noch so passiert in Ihrem Leben. Wie schon erwähnt: Seien Sie geduldig, es kann etwas dauern, bis sich die Wirkung voll einstellt.

Wichtig: Dies ist kein leeres pop-esoterisches Versprechen. Es funktioniert. Das kann ich aus vielfacher eigener Erfahrung sagen, und aus den Gesprächen mit vielen, vielen Menschen, denen es genauso geht. Lassen Sie sich auf diese Erfahrung ein, und Sie werden belohnt werden.

Mantras tun gut und Gutes.

Mantras sind eine uralte spirituelle Methode aus dem Hinduismus. Das Wort kommt aus dem Sanskrit und besteht aus zwei Teilen: „man“ (übersetzt: „denken“ oder auch „Geist“) und „tra“ (übersetzt: „Werkzeug“). Die wörtliche Übersetzung von Mantra lautet also „Werkzeug des Geistes“. Manche Sprachenkundler übersetzen es auch mit „Schutzschild des Geistes“. Beides trifft die Wirkung eines Mantras sehr gut.

Mantras gibt es in den vielfältigsten Formen, manche sind sehr kurz (beispielsweise das universelle und weltweit bekannte „OM“), und manche sind ganze Sätze lang. „OM NAMAH SHIVAYA“ ist beispielsweise ein anderes kurzes Mantra, das der lebenslustigen Inkarnation Gottes, die „Shiva“ genannt wird, Ehrerbietung darbringt.

Es gibt auch Mantras aus anderen Kulturkreisen. Eines der bekanntesten ist wahrscheinlich das Herz-Jesu-Gebet, das die hiesigen Katholiken von den Russisch-Orthodoxen Glaubensgemeinschaften übernommen haben. Es lautet „Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner“. Variationen davon gibt es viele. Wozu soll ein Mantra gut sein?

Im Hinduismus, aber auch in allen anderen schamanisch orientierten oder mystischen Religionen, gehen wir davon aus, daß es „grobstoffliche“ und „feinstoffliche“ Energien gibt. Grobstoffliche Energien sind Energien mit geringer Bewegung, mit kleiner Amplitude, und sie tendieren deswegen eher dazu, sich als greifbare Körper zu manifestieren. Feinstoffliche Energien schwingen stärker, sie haben mehr Amplitude, und sie werden nicht zu greifbaren Körpern.

Alles das, was in den verschiedenen Religionen und im Schamanentum als „Götter“ oder „Geistwesen“ bezeichnet wird, ist auf der feinstofflichen Ebene zu finden. Deshalb erleben wir Götter und andere Wesen auch nur, wenn wir unsere Wahrnehmung geschärft und verändert haben. Die feinstoffliche Ebene gilt als der Ursprung, zu dem wir alle am Ende unserer Leben wieder zurückkehren. Mantras erleichtern uns, von den grobstofflichen Ebene zur feinstofflichen zu blicken und sie zumindest teilweise zu fühlen. Wenn wir das Mantra intensiv genug ausführen, merken wir, wie sich unser Geist öffnet, eine tiefe Ruhe eintritt und das in uns zu leuchten beginnt, was immer schon da war: die Liebe, oder wie die Mystiker sagen, „der Geist Gottes“.

Wie sagt man denn jetzt Mantras?

Am besten ist es, Sie kaufen sich eine Mala, eine Gebetskette. Ein Rosenkranz oder ein russisch-orthodoxer chotki sind natürlich auch Gebetsketten. Die hinduistische oder buddhistische Version hat 108 Perlen.

Jetzt suchen Sie sich ein Mantra aus, das Ihnen zusagt. Ich gebe Ihnen hier eine kleine Auswahl. Wenn Sie sich näher dafür interessieren, gibt es online viele, viele brauchbare Quellen dazu.

Aus dem Hinduistischen:

OM (OM ist der Klang des Universums)

Sri Ram, Jai Ram, Jai, Jai, Ram – (Geliebter Gott, ich verehre dich)

Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna, Krishna, Hare, Hare. Hare Rama, Hare Rama, Rama, Rama, Hare, Hare

Om Namah Shivaya

Aus dem Buddhistischen:

Om mani padme hum – (Ich verbeuge mich vor dem Juwel im Lotus des Herzens)

Aus dem Christlichen:

Herr Jesus Christus, sei meiner gnädig.

Gegrüßet seist du Maria voll der Gnaden, du bist gebenedeit unter der Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.

Nehmen Sie nun die Gebetskette in eine Hand. Im Hinduistischen nehmen wir traditionell die rechte Hand, aber das ist nicht so wichtig. Am einfachsten ist es, wenn Sie die Kette über den Mittelfinger legen. Jede Gebetskette hat einen „Anfang/Ende“. Das ist bei den christlichen Varianten das Kreuz, und bei den hinduistischen/buddhistischen die große Perle, die „Lehrer/Gott/Guru-Perle“ genannt wird. Fangen Sie mit der ersten Perle über dem Kreuz oder der Gott-Perle an.

Sprechen Sie das Mantra einmal. Gleichzeitig oder danach schieben Sie die Perle mit dem Daumen nach unten, so daß die gesamte Gebetskette in Ihrer Hand um eine Perle weiter nach unten rutscht.

Wiederholen Sie das mit der nächsten Perle und der nächsten, und so weiter.

Wenn Sie an der Gottesperle angekommen sind, sprechen Sie das Mantra NICHT, sondern drehen Sie die Kette in Ihrer Hand um und beginnen dann wieder von vorne. Der Grund für diesen Schritt: Es gehört sich nicht, Gott symbolisch zu „übergehen“.

Wenn Sie das Mantra blutleer und ohne Enthusiasmus, mechanisch wiederholen, wirkt es nicht. Diese uralte spirituelle Technik ist ein Werkzeug, das ohne Sie nicht funktioniert. Ein Mantra ist kein Zauberspruch, sondern eine Methode, die Ihnen hilft, sich (Vorsicht, jetzt wird’s kitschig) „eins mit allem“ zu fühlen. Dazu aber gehört Ihre Entschlossenheit.

Lohnt sich das denn?

Oh ja, oh ja! Sehr sogar. Geben Sie dieser bewährten Technik eine Chance. Probieren Sie sie ernsthaft aus, mindestens einen Monat lang jeden Tag zehn oder fünfzehn Minuten lang. Wichtig ist, daß Sie ein Mantra nehmen, mit dem Sie sich wohl fühlen, das sich gut anfühlt. Und dann setzen Sie sich aufrecht hin, ungestört, und sprechen das Mantra.

Erfahrungsgemäß dauert es zwei bis drei Wochen, bis ganz deutlich spürbare Wirkungen eintreten: innere Ruhe, Zufriedenheit, eine Freude, die aus Ihnen selbst kommt, Friedlichkeit und, natürlich, Liebe.

Ich wünsche Ihnen alles, alles Gute damit!